top of page
analog 03/26

Ezra Collective – Chapter 7 (10th Anniversary Edition)

Platteninformationen: „Chapter 7“
veröffentlicht 2026, 33 rpm, 140 g, Black Vinyl
Ursprungs-EP durch zwei tolle Live-Versionen ergänzt
Label: Partisan
Format: 12“, 33 ⅓ RPM
Genre: Jazz / Fusion
Preis: ab 25,- EUR

​

Musik 1-2 / Klang 2 / Vinyl 2 / Preis 1

​

In einem Video auf seinem YouTube-Kanal Basementfortyfive schwärmte Peter Barton geradezu überschwänglich von „Where I’m Meant To Be“ des Ezra Collective. Seine Begeisterung machte neugierig - also gleich reingehört. Und schon nach den ersten Takten war klar - Barton hatte keineswegs zu viel versprochen. Die Musik packte sofort, klang frisch, druckvoll und voller Energie. Nach dieser ersten, knackigen Hörprobe gab es nicht mehr viel zu überlegen.
Das 2022 erschienene Album wanderte direkt in meinen Warenkorb.
„2023 wurde die Band dafür mit dem Mercury Prize ausgezeichnet. 
Bei den BRIT Awards 2025 erhielt die Band den Preis als Group of the Year.“ (Wikipedia)
Nun kehrt auch der Anfang zurück - „Chapter 7“, die Debüt-EP des Ezra Collective, kommt zehn Jahre nach ihrer Erstveröffentlichung erneut auf Vinyl. Die fünf Stücke von 2016 werden in der Jubiläumsausgabe um zwei Liveaufnahmen ergänzt – „Chapter 7“ vom legendären NPR Tiny Desk und „I Have a God“ aus der Royal Albert Hall.
Eine Neuauflage, die längst überfällig scheint. Die ursprüngliche Vinylpressung ist rar und wird auf dem Sammlermarkt entsprechend hoch gehandelt. Wer die Erstpressung von „Chapter 7“ des Ezra Collective auf Platte besitzen wollte, musste bislang sehr tief in die Tasche greifen.
Das Londoner Quintett verbindet Jazz mit Afrobeat, Hip-Hop, Funk und Reggae und schöpft dabei hörbar aus der musikalischen Vielfalt der afrikanischen und karibischen Diaspora. Heute bilden Femi Koleoso am Schlagzeug, TJ Koleoso am Bass, Joe Armon-Jones an den Tasten, James Mollison am Saxophon und Ife Ogunjobi an der Trompete das Ezra Collective.
Schon „Chapter 7“ lässt hören, wohin diese Reise führen sollte. Ezra Collective behandeln Jazz nicht als abgeschlossenes Kapitel der Musikgeschichte, sondern als lebendige Sprache, die sich ständig weiterentwickelt. Groove und Improvisation, Spiritualität und Clubkultur treffen unmittelbar aufeinander. Das Ergebnis klingt auch zehn Jahre später erstaunlich frisch – und vor allem nach Musik, bei der Stillsitzen keine ernsthafte Option ist.

analog 02/26

Ethel Lindsey – „Pretty Close“, 2025

Sensationelles Debutalbum
Sven Fandrich (Text und Bild)

Platteninformationen: „Pretty Close“
veröffentlicht 2025, 33 rpm, 140 g, Beiblatt mit Infos
Label: Favorite
Format: 12“, 33 ⅓ RPM
Genre: Funk / Acid-Jazz / Soul
Preis: ab 27,- EUR

Musik 1 / Klang 1-2 / Vinyl 1 / Preis 1-2


 










Lange blieb offen, wann endlich wieder eine Party-Platte erscheint, die es mit Dabeulls „Analog Love“ (2024, Vinyl-Quartett 2-24) aufnehmen kann. Wenig überraschend kommt der legitime Nachfolger erneut aus Frankreich.
Meine persönliche Entdeckung des Jahres 2025: „Pretty Close“, das Debütalbum der jüdischen Multiinstrumentalistin, Sängerin und Komponistin Ethel Lindsey aus Paris. Ein Funk-Hammer reinsten Wassers, der selbst müde Glieder zuverlässig in Bewegung versetzt.
Mit spielerischer Leichtigkeit katapultiert die Französin mit israelischen Wurzeln den Sound der 70er-Jahre direkt ins Hier und Jetzt. Besonders Bemerkenswert: Sämtliche Songs stammen aus ihrer Feder – Lindsey komponiert, arrangiert, singt und spielt alles selbst ein. Aufgenommen hat sie das Album in den QDS Studios in Paris, an einer alten analogen Neve-Konsole.
Diese Entscheidung trifft sie bewusst: Der Sound soll die goldene Ära von Soul und Funk der 70er-Jahre authentisch einfangen. Genau hier entstehen auch die Parallelen zu Dabeulls „Analog Love“, der einen ähnliches Ansatz wählte.
Lindseys Musik verbindet Soul, Funk und Disco zu einem warmen, detailreichen Analog-Sound, der sich hörbar von Größen wie Stevie Wonder, Prince, Chic, Earth, Wind & Fire, Bobby Caldwell und Steely Dan inspirieren lässt. Gleichzeitig prägt auch der Acid Jazz der 1980er-Jahre ihre Musik – Einflüsse von Bands wie Incognito und Jamiroquai sind unverkennbar. Selbst aktuelle Acts wie Gun Silver Fox dienen als stilistische Referenz. Die Aufnahmequalität überzeugt, ebenso die Pressung. Und bei einem Preis von unter 30 Euro kann man angesichts des aktuellen Vinyl-Marktes durchaus von einem fairen Angebot sprechen.
Für mich eine klare Kaufempfehlung – vor allem für Musikliebhaber mit ausgeprägtem Bewegungsdrang.
analog 01/26

The Chimes – “the chimes”; 2025
35 Jahre Gold Edition - auf Music On Vinyl

Sven Fandrich (Text und Bild)

Platteninformationen: "The Chimes"
veröffentlicht 2025, 33 rpm, 180 g, farbiges Vinyl,
limitiert auf 500 Stück, Exemplar 316 mit Textbeilage
Produktion: Jazzie B und Nellee Hooper wie die Band selbst
Label: Original 1990 bei CBS, vorliegende Version MusicOnVinyl
Genre: Dance-Soul-Pop
Preis: 33,- EUR

Musik 1-2 / Klang 2-3 / Vinyl 2-4 / Preis 3

 
Eines meiner Lieblingsalben aus den 90ern ist das einzige Album der Band The Chimes.
2025 wurde dieses musikalisch exzellente Werk als „35th Anniversary Edition“ erstmals wieder auf Vinyl aufgelegt – auf dem Label Music on Vinyl, in einer auf 500 Stück limitierten Version. Leider, wie heutzutage häufig, auf farbigem Vinyl. In diesem Fall wurde die Platte in Gold gepresst. Das Ergebnis ist jedoch wenig überzeugend. Die goldene Scheibe ist von Schlieren durchzogen und knistert in den Titelpausen und zum Teil auch in den leisen Passagen wie mein Kaminofen kurz nach dem Anfeuern. Da stellt sich mir erneut die Frage: Was soll das?
Das Resultat der Produktion wird dem Anspruch
des niederländischen Labels nicht gerecht,
Sammlern wie Musikliebhabern
ikonische Alben in herausragender Qualität
neu erlebbar zu machen. Da es sich hier
allerdings um sehr dynamische Tanzmusik
handelt, die man gern laut hört,
ist dies einigermaßen zu verschmerzen.
Das Knistern wird größtenteils von der
Musik überdeckt, aber nicht komplett.
Nach unserer einheitlichen Meinung beim Anhören im Quartett hat sich der Klang gegenüber meiner Ausgabe aus den 90ern etwas verschlechtert. Die Stimme von Pauline Henry wird auf der 1990er-Ausgabe etwas geschmeidiger abgebildet, und die Gesamtabbildung erscheint etwas aufgeräumter. Beim Cover hat man allerdings auf hochwertigeren Karton und besseren Druck gesetzt.
Wer Gefallen an der Musik findet, sollte unbedingt zu einer der zahlreichen verfügbaren CBS-Pressungen von 1990 greifen. Diese sind in guter Qualität meist deutlich unter 10 Euro erhältlich.
The Chimes waren ein englisches Dance-Soul-Pop-Trio aus Edinburgh. Es bestand aus Pauline Henry (Gesang) sowie den beiden Produzenten Mike Peden und James Locke. Die Band war nur wenige Jahre – von Ende der 80er bis Anfang der 90er – aktiv und veröffentlichte lediglich dieses eine Album, auf dem sie Dance- und Soul-Elemente mit Pop verband. Im Anschluss verfolgte Pauline Henry, deren Wurzeln auf Jamaika liegen, eine Solokarriere.
Die als Singles ausgekoppelten Titel „1-2-3“ und „Heaven“ waren beide Nummer-1-Hits in den US-Dance-Charts. Ein weiterer großer Erfolg war das U2-Cover „I Still Haven’t Found What I’m Looking For“, das Platz 6 der britischen Charts erreichte und bis heute ihr bekanntester Hit ist. Bono soll die Version der Chimes als eine der wenigen Coverfassungen gelobt haben, die dem Original wirklich gerecht wird. Doch auch jenseits der Hits überzeugt das Album mit durchgehend starker Songqualität, geschmackvollen Arrangements und einer Produktion, die auch Jahrzehnte später frisch und lebendig klingt.
Mit müheloser Eleganz verbinden The Chimes den kraftvollen, warmen und emotionalen Gesang von Pauline Henry mit treibenden Dance-House-Beats. So entstand ein Album, das zutiefst berührt und auch nach Jahrzehnten frisch und lebendig klingt. Dieses Album hat kein Verfallsdatum und rechtfertigt auch heute noch den Erwerb dieser LP – fernab klassischer „One-Hit-Wonder“-Kategorien.
Den Klang des Albums würde ich für eine Dance-Produktion noch als gut bezeichnen. Die Musik von „The Chimes“ trifft bei mir komplett ins Schwarze und ist auch heute noch Pflichtstoff für alle, die Dance-Musik mit Herz lieben.

 
Meine älteren Quartett-Beiträge wurden zum Teil versehentlich und zum Teil bewust gelöscht!
  • White SoundCloud Icon
  • White Facebook Icon
  • White Twitter Icon
  • White Instagram Icon
  • White YouTube Icon

© 2023 by DAILY ROUTINES. Proudly created with Wix.com

bottom of page