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Meine 20 Vinyl - Favoriten 2025 aus Jazz, Pop, Elektro, Blues, Folk, R&B, Soul, Funk und Disco.
Zum Jahresende 2025 und -beginn 2026 konnte man sich der Überflutung mit Vinyl - Jahres- best – off`s nicht entziehen. Also kommt es auf eine mehr oder weniger auch nicht an.
(Bild und Text Sven Fandrich)
Zu Beginn des Jahres 2026 habe ich mir im Rahmen meiner „guten Vorsätze“ meine Vinyl-Käufe aus 2025 angesehen. Die Bilanz fiel ernüchternd aus: Rund 25 Platten je Monat sind neu ins Regal gewandert.
Der erste Vorsatz folgte auf dem Fuß. 2026 soll die Kauflust gebremst werden – Ziel: 10 Alben je Monat, maximal die Hälfte der Vorjahresmenge. Ob sich dieses Limit mit meiner Leidenschaft für Musik vereinbaren lässt, bleibt offen. Schließlich habe ich ein ähnliches Projekt bereits 2024 zur Jahresmitte sang- und klanglos aufgegeben.
Meine Jazz Favoriten
2025:
Venna - „Malik”
Tord Gustavsen Trio -
„Changing Places”
Emil Brandqvist Trio -
„Poems for Travellerd“
Collin Steele Quartet -
„The Blue Nile Songbook”
The Circling Sun - „Orbits“
Noah Preminger - „Ballads“
Sultan Stevenson - „El Roi“
Mit seinem Debütalbum „MALIK“ legt der Grammy-prämierte britische Saxophonist und Produzent Venna ein vielschichtiges Statement vor, das Jazz, R&B und globale Einflüsse organisch miteinander verschränkt. Statt sich in den Vordergrund zu spielen, öffnet Venna den Raum für Kollaboration und tritt vor allem als Kurator auf, der unterschiedliche Stimmen zusammenführt und lenkt.
Gesangsparts von Jorja Smith, Cari, Leon Thomas, Smino und MIKE treffen auf Beiträge profilierter Musiker wie Rocco Palladino, Elijah Fox, AoD, J Warner, Marco Bernardis sowie dem langjährigen Weggefährten Yussef Dayes. Diese Vielzahl an Mitwirkenden versteht Venna nicht als dekoratives Feature-Aufgebot, sondern als kreatives Kollektiv: Alle prägen den Sound aktiv mit und verleihen dem Album seine Dynamik und Tiefe. Trotz der offenen Struktur bleibt Venna jederzeit der Bandleader, der die Fäden zusammenhält und „MALIK“ zu einem geschlossenen, abwechslungsreichen Album formt.
Mit großer Freude legte ich im vergangenen Jahr das erstmals auf Vinyl veröffentlichte Album „Changing Places“ des Tord Gustavsen Trios auf den Plattenteller. Das 2003 erschienene Debüt, neu aufgelegt in der ECM-Luminessence Series, hat sich längst seinen Platz als moderner Jazzklassiker gesichert.
Die Produktion überzeugt auf ganzer Linie: transparent, warm und frei von jeder Ablenkung – ein klanglicher Genuss, der die Musik atmen lässt. Gustavsen und sein Trio entfalten eine lyrische Klangsprache, weich und umschmeichelnd, von leiser Melancholie durchzogen und dennoch von innerer Kraft getragen. Die Pianoanschläge perlen mit fast magischer Selbstverständlichkeit, während Bass und Schlagzeug den Raum öffnen, statt ihn zu füllen.
Man gerät sofort in den Sog der Improvisationskunst dieses Trios. Spätere Veröffentlichungen wurden zu Recht gefeiert, doch an die stille Intensität und Geschlossenheit dieses Erstlings reichen sie meiner Einschätzung nach nicht heran.
Ein weiteres Nordic-Jazz Album sorgte im Jahr 2025 für Furore! Das Album „Poems for Travellers“ des Emil Brandqvist Trios. Hört man die Alben des Tord Gustavsen Trios und des Emil Brandqvist Trios nacheinander, so erkennt man sofort die musikalische Verwandtschaft. Beide Veröffentlichungen überzeugen mit eingängigen emotionalen Melodien und überzeugender Klangqualität. Müsste ich mich für eines der Alben entscheiden, wäre das Tord Gustavsen Trios eine Nasenlänge vorn.
2025 ließ ein weiteres Nordic-Jazz-Album aufhorchen: „Poems for Travellers“ vom Emil Brandqvist Trio. Wer dieses Werk direkt nach der Aufnahme des Tord Gustavsen Trios hört, erkennt sofort die enge musikalische Verwandtschaft. Beide Formationen setzen auf klare, emotional aufgeladene Melodien und eine Klangästhetik, die Wärme und Transparenz vereint. Im direkten Vergleich jedoch zieht für meine Geschmack das Album des Tord Gustavsen Trios minimal um eine Nasenlänge davon.
Dass The Blue Nile einmal in leidenschaftlichen Jazzfassungen aufgehen würden, hätte wohl kaum jemand erwartet. Doch genau dieses Kunststück gelingt dem Colin Steele Quartet. Die betörenden, atmosphärisch dichten und oft synthgetriebenen Songs der schottischen Band verwandelt das Quartett in spannende neue Arrangements und veredelt sie mit einer luxuriösen Jazz-Ästhetik.
Colin Steele selbst bringt seine Motivation auf den Punkt:
„Ich bin ein großer Fan von The Blue Nile. Ich liebe ihre Melodien, aber noch mehr fasziniert mich die Atmosphäre, die sie erschaffen. Paul Buchanans Gesang ist wunderschön und intim. Er erinnert mich tatsächlich an Miles Davis’ Trompetenspiel – zurückhaltend und cool, aber jede Nuance voller Schönheit und Emotion.“
Wer auf der Suche nach einem besonderen Jazzalbum ist, sollte hier unbedingt reinhören. Und wer die Originalalben von The Blue Nile noch nicht kennt, wird sie nach diesem Hörerlebnis mit großer Wahrscheinlichkeit auf Discogs suchen – und kaufen. Ganz bestimmt.
Aus Neuseeland kommen seit Jahren Bands und Musiker, die mit frischen Ideen weit über die Landesgrenzen hinaus Aufmerksamkeit erzeugen. Mit „Orbits“ gelingt The Circling Sun dieses Kunststück nun auch im Jazz.
Das Kollektiv aus Aotearoa vereint versierte Jazzmusiker und Produzenten und legt mit seinem zweiten Album ein außergewöhnliches, spirituell aufgeladenes Werk vor. „Orbits“ schwebt auf kosmischen Klangflächen, nährt sich aus afrikanischen Rhythmen und gewinnt durch soulige Vocals zusätzliche Tiefe und Wärme.
Das Album entfaltet sich als berauschendes Gesamterlebnis. Tempowechsel und wechselnde Solisten treiben die Dynamik voran, ohne den Fluss zu unterbrechen. The Circling Sun formt daraus ein geschlossenes Werk, das man ununterbrochen von Anfang bis Ende hört. Vom ersten Schlagzeugschlag bis zum sanften Ausblenden wirkt „Orbits“ zutiefst befriedigend, hebt die Stimmung und verdient sich mühelos einen festen Platz in jeder Jazz-Sammlung.
Für „Ballads“ versammelt der Tenorsaxophonist Noah Preminger ein hochkarätiges Quartett um sich: Julian Shore am Piano, Kim Cass am Bass und Allan Mednard am Schlagzeug. Der Titel verweist nicht zufällig auf John Coltranes legendäres Balladen-Album aus den 1960er-Jahren. Preminger knüpft bewusst an diese Tradition an – und schreibt sie auf seine eigene, zeitgenössische Weise fort.
Der gefeierte Saxophonist veröffentlicht „Ballads“ am 21. Februar 2025 auf dem neuen Label Chill Tone. Das Album präsentiert eine bezaubernde Mischung aus Eigenkompositionen, sorgfältig ausgewählten Standards und einer überraschenden Coverversion jenseits des klassischen Jazzkanons. Preminger reduziert das Material auf seine Essenz und setzt ganz auf Klang, Raum und emotionale Tiefe.
„Ich habe Balladen schon immer geliebt“, erklärt Preminger. „Zu meinen Favoriten auf Platte zählen John Coltrane mit ‚Lush Life‘, Joe Lovano mit ‚I Can’t Get Started‘ und Michael Brecker mit ‚The Meaning of the Blues‘. Ihr Spiel ist ernst, bedeutungsvoll – sie singen, als wäre es ihr letzter Tag auf Erden. Genau dieses Gefühl wollte ich mit dieser Platte einfangen.“
Auch klanglich setzt „Ballads“ Maßstäbe. „Die Klangqualität ist für mich enorm wichtig“, betont Preminger. „Die Jungs von Chill Tone nehmen das Thema Sound sehr ernst. Sie haben großartige Arbeit geleistet, um die üppigen, warmen Qualitäten dieser Musik herauszuarbeiten.“
Erworben habe ich das Album direkt über die Website von Chill Tone – und damit sich der Versand aus den USA lohnt, landeten gleich zwei weitere Platten im Warenkorb. Eine davon sticht besonders hervor: „Chill Tone Presents: A Jazzy Christmas Vinyl“. Sie lief im vergangenen Advent nahezu ununterbrochen und avancierte bei mir zur meistgespielten Weihnachtsplatte der Saison.
Schon mit „Faithful One“ hat mich Sultan Stevenson überzeugt, doch „El Roi“ geht einen spürbaren Schritt weiter. Der Londoner Pianist verbindet hier Technik, Gefühl und Konzept zu einem Album, das leise spricht, aber lange nachhallt. Der Titel – „Gott des Sehens“ – passt perfekt zu einer Musik, die aufmerksam hinschaut und nach innen lauscht.
Das vertraute Trio mit Jacob Gryn und Joel Waters sorgt für Stabilität, während Josh Short und Soweto Kinch auf einigen Tracks frische Farben ins Spiel bringen. Nichts wirkt überladen, alles bleibt im Dienst der Stimmung.
Was mich besonders beeindruckt: Stevensons Pianospiel hat an Tiefe gewonnen. Es klingt nach Klarheit, Vertrauen und innerer Ruhe. Die warme, transparente Klangqualität verstärkt diesen Eindruck – „El Roi“ ist ein Album, das man nicht nebenbei hört, sondern bewusst erlebt.
Meine R&B, Soul,
Funk und Disco
Favoriten 2025:
Blood Orange - „Essex Honey“
Greentea Peng -
„Tell Dem It’s Sunny”
Sladek - „Things Gotta Change”
Sault - „10“
Ethel Lindsey - „Pretty Close“
Little Simz -„Lotus”
Eigentlich wollte ich mit Lady Wray – „Cover Girl“ starten. Eine klassische R&B-Scheibe, musikalisch hinreißend, voller Seele und Substanz. Leider trüben aufnahmetechnische Schwächen den Vinylgenuss: ein leicht verrutschtes Mastering oder vielleicht eine mangelhafte Pressung rauben der Platte hörbar an Qualität. Ausgerechnet die digitale Version macht in diesem Fall mehr Freude. Schade, denn die Musik ist hervorragend gelungen. Wer Lady Wrays Können auf gut gemachtem Vinyl erleben möchte, greift besser zu „Piece of Me“ (2022) – klanglich deutlich überzeugender. Eigentlich bitter: Diese Musik hätte Könner an den Reglern verdient. Vielleicht sollte man ihr mal den Kontakt zu „Info“ stecken.
Also Neustart, zweiter Versuch – mit „Lotus“, dem neuen Album der 31-jährigen Londoner Rapperin Little Simz. Nach dem Bruch mit ihrem Kindheitsfreund und langjährigen Produzenten Inflo, dem Kopf von Sault, suchte sie bewusst einen Neuanfang. Und der zahlt sich aus. Lotus ist ein grandioses Album, getragen von beeindruckenden Gastbeiträgen: Sampha, Michael Kiwanuka und Obongjayar verleihen dem Werk zusätzliche Tiefe. Klanglich wie fertigungstechnisch überzeugt die Platte auf ganzer Linie, dazu ein starkes Cover. Verdienter Lohn: Platz 4 der rbb radioeins Bestenliste 2025.
An der Spitze derselben Liste thront völlig zu Recht „Essex Honey“ von Blood Orange. Das fünfte Studioalbum von Devonté Hynes räumt beim radioeins-Soundcheck die Höchstwertung ab: viermal Hit. Ein Album, das von Anfang bis Ende verspielt, abwechslungsreich und gesellschaftstauglich gute Laune verbreitet. Die Aufnahme ist makellos, auf 45 rpm geschnitten – druckvoll, transparent, räumlich. Ein echtes Fest für Vinylfreunde.
Auch bei Sault deutet sich ein Neustart an – oder vielmehr die Rückbesinnung auf alte Tugenden. Die frühen Veröffentlichungen von 2020 waren für mich der neue heiße Scheiß: visionär, rhythmisch, elektrisierend. In den Folgejahren verlor sich etwas von dieser Genialität. Mit „10“ läuft Info jedoch wieder zu großer Form auf. Musik, Produktion und Klang bewegen sich hier auf absolutem Top-Niveau. Brillant.
Wo Greentea Peng musikalisch genau einzuordnen ist, bleibt weiterhin offen – und genau das macht ihren Reiz aus. Sie verschmilzt Soul, Reggae, Dub und Acid Jazz zu einem eigenständigen Kosmos, nicht ohne gelegentlich an Erykah Badu zu erinnern. Ihre im Kirchenchor geschulte Stimme legt sie konsequent in Hall, fast schon als Stilmittel. Schon ihr Debüt „Man Made“ nahm sie bewusst in 432 Hz auf – einen Halbton unter Industriestandard. Diesen Weg setzt sie mit „Tell Dem It’s Sunny“ fort, getragen von der Idee, Musik könne heilende Energie entfalten. Auch auf ihrem zweiten Album hält sie bewusst Abstand zum Mainstream. Ein gelungenes, eigenwilliges Werk der Londonerin.
Eine echte Überraschung erreichte mein Ohr 2025 aus Österreich: das Neo-Soul-Trio Sladek mit „Things Gotta Change“. Mastermind und Multiinstrumentalist David Sladek hat mit seiner Band ein erdiges, abwechslungsreiches Album vorgelegt, das mit starken Songs überzeugt. Sladek muss sich nicht hinter Genre-Größen wie Curtis Harding oder Durand Jones & The Indications verstecken. Klare Empfehlung!
Und schließlich meine persönliche Entdeckung des Jahres: „Pretty Close“, das Debütalbum von Ethel Lindsey. Ein Funk-Hammer reinsten Wassers, der selbst müde Glieder in Bewegung bringt. Die Französin mit israelischen Wurzeln katapultiert den Funk der 70er Jahre schnurstracks ins Hier und Jetzt. Bemerkenswert: Alle Songs stammen komplett aus ihrer Feder – komponiert, arrangiert, gesungen und eingespielt von Ethel Lindsey selbst.
Fragt man mich nach meiner Spaß-Platte 2025, zögere ich keine Sekunde: „Pretty Close“.
Mein Pop, Elektro,
Blues und Folk
Favoriten 2025:
Maribou State -
„Hallucinating Love“
Jacob Collier - „The Light For Days”
Stranded Horse with Boubacar Cissokho -
„The Warmth You Deserve“
Fred again.. - „Ten Days“
Skeleten - „Mentalized”
Van Morrison - „Remember Now”
Aron! - „Cozy You”
Eine echte Neuentdeckung im Jahr 2025 liefert Fred Gibson alias Fred again.. mit seinem Album „ten days“. Der Londoner Produzent verschmilzt souverän pulsierenden Club-Sound mit emotional aufgeladener, ideenreicher Popmusik. Er arbeitet virtuos mit Samples und öffnet seine Tracks für hochkarätige Kollaborationen – von Skrillex und Four Tet bis zu Anderson.Paak und Emmylou Harris. Genau diese Offenheit verleiht dem Album seine beeindruckende Vielseitigkeit. Fred again.. feuert scheinbar mühelos eine Hook nach der anderen ab, schraubt Harmonien und Melodien direkt aus der Loop-Maschine ins Herz. Warum kennt man diesen Mann trotzdem noch nicht überall? Vielleicht, weil er keine Magazincover ziert – und seine Generation diese ohnehin kaum noch liest. Seine Fans finden ihn auf anderen Wegen, teilen seine Musik online und feiern sie umso intensiver.
Maribou State melden sich Anfang 2025 mit „Hallucinating Love“ zurück und liefern ein warmes, zutiefst gefühlvolles Elektro-Album voller Seele. Das Duo feiert darauf das Leben und die Liebe mit großer Selbstverständlichkeit. Schon das Cover bringt diese Haltung auf den Punkt: Ein Paar in inniger Umarmung trotzt der Dynamik der Welt und spendet sich gegenseitig Halt. Die detailverliebte Produktion schafft eine entspannte, intime Atmosphäre, die sich wie eine Umarmung anfühlt. Dieses Album wirkt wie Medizin gegen den Alltagsstress – sanft, aber nachhaltig.
Ebenfalls Anfang 2025 kommt aus „Down Under“ das zweite Album „Mentalized“ von Russell Fitzgibbon alias Skeleten. Bereits sein Debüt „Under Utopia“ (2023) überzeugte, und genau diese klangliche Handschrift führt er nun konsequent fort. Skeleten formt schwelgerischen Synthie-Pop, reichert ihn mit Trip-Hop-, Deep-House- und Indie-Elementen an und mixt daraus einen stimmigen, tiefgehenden Sound. Sein feines Gespür für eingängige Melodien und treibende Rhythmen trifft auf eine weiche, tiefe Stimme, die direkt das Wohlfühlzentrum adressiert – und einen nicht mehr loslässt. Große Unterhaltung aus Australien.
„Van The Man!“ bleibt ein Phänomen eigener Klasse. Mit 80 Jahren zeigt sich Van Morrison so präsent und produktiv wie selten zuvor. Auf seinem 47. Album überzeugt der Grantler erneut auf ganzer Linie. Er grummelt weniger tiefgründig, verzichtet auf stimmliche Gipfelstürme – und gewinnt gerade dadurch. Seine Songs entfalten eine zeitlose Größe: ein zum Niederknien schöner Mix aus Folk, Blues und Soul. Auch klanglich setzt Morrison Maßstäbe. Aufnahme und Produktion bewegen sich auf gewohnt hohem Niveau, der Sound wirkt ausgewogen, detailreich und farbenprächtig, mit großzügiger Raumabbildung und souveräner Tiefe.
Ein beeindruckendes Alterswerk – vielleicht sogar sein stärkstes Album der letzten zehn Jahre.
Nach den vier „Djesse“-Kapiteln, die mit Komplexität, Opulenz und Überfluss glänzten, vollzieht Jacob Collier mit „The Light For Days“ eine radikale Kehrtwende. Er zieht sich zurück, reduziert konsequent – und legt ein intimes Album vor, getragen von akustischen Instrumenten und persönlicher Nähe.
Collier verbindet eigene Kompositionen mit sorgfältig ausgewählten Coverversionen, die von James Taylor und John Martyn über die Beatles bis zu den Beach Boys reichen. Das Album entsteht in nur vier Tagen, aufgenommen – wie einst sein Debüt – im ehemaligen Kinderzimmer.
Diese bewusste Beschränkung zahlt sich aus: Collier bleibt ganz bei sich, schreibt fragile Songs und öffnet den Blick tief in seine musikalische Seele. Mit 31 Jahren präsentiert er mit „The Light For Days“ sein bislang emotionalstes und persönlichstes Werk.
Auch wenn „The Warmth You Deserve“ von Yann Tambour alias Stranded Horse unterschiedliche Reaktionen hervorruft, gehört das Album für mich zu den Entdeckungen des Jahres 2025. Was manchen Hörern zu gleichförmig erscheint, entfaltet für mich eine stille, fast meditative Kraft. Die schlichten, aber berührenden Klanglandschaften ziehen nach innen und lassen Zeit langsamer vergehen.
Die reduzierte Instrumentierung rückt Tambours sanfte, warme Stimme ins Zentrum. Er verzichtet bewusst auf Experimente und setzt stattdessen auf die Schönheit einfacher Arrangements. Aufnahme und Produktion überzeugen klanglich, auch wenn die Pressung nicht ganz auf Spitzenniveau liegt.
Eine leise, aber nachhaltige Empfehlung – wohltuend abseits des Mainstreams.
Bei Aron! passiert etwas Besonderes. Ohne Lautstärke, ohne große Gesten – aber mit Gewicht. Der erst 21-jährige Musiker veröffentlicht mit „Cozy You (And Other Nice Songs)“ eine Vinyl-EP, die leise Aufmerksamkeit fordert und sie sofort belohnt.
Aron! verbindet Jazz mit einem nostalgisch gefärbten Pop- und Retro-Sound und erzeugt jene stille Magie, die sich nicht erklären lässt, sondern sich beim Hören einstellt. Schon nach den ersten Takten wird klar: Diese EP sucht Nähe. Der Klang rückt ganz heran, als säße Aron im Halbdunkel eines kleinen Jazzclubs nur wenige Schritte entfernt.
Ein fein dosiertes Raumgefühl gibt den Klangkörpern Luft und Präsenz zugleich. Alles wirkt handgemacht, kunstvoll arrangiert und von Aron! selbst produziert. Kein Ton drängt sich auf, kein Effekt überzeichnet – dafür spricht umso mehr Seele aus diesen Songs.
Man hört hier einen Künstler am Anfang eines vielversprechenden Weges. Auf das nächste Werk dieses jungen Amerikaners darf man gespannt sein.


